Kartenlegen während eines Coachings, ist das seriös? Diese Frage wird Sylvia Bieber, die als spiritueller MentalCoach in Aschaffenburg tätig ist, immer wieder gestellt. An einem Klientenbeispiel verdeutlicht die Fachfrau, wie die Karten während des Coachingprozesses zum Einsatz kommen.

Herr R. (Personaler bei einer Zeitarbeiterfirma, 34 Jahre alt, verheiratet, 1 Kind) kommt in meine Praxis mit dem Problem, dass er sich von seinem Vorgesetzten wie ein kleiner Junge behandelt fühlt. Er schildert stockend seine Missere: „Mein Chef nimmt mich und meine Vorschläge nicht ernst, er kritisiert mich vor Kollegen, kontrolliert meine E-Mails und ignoriert mich, wenn ich Arbeitsanweisungen nicht in der Reihenfolge ausführe, wie er es für richtig hält.“

„Bei Problemen mit Vorgesetzten“, erkläre ich ihm, „schaue ich immer auch systemisch in die Herkunftsfamilie, frage nach dem Verhältnis mit dem Vater und wie dieser Vater der Kindheit heute erinnert wird.“ Nach Meinung von Herrn R. war da alles in Ordnung. Ein ganz normales Elternhaus. Daraufhin frage ich ihn, ob er einverstanden ist, die Lenormandkarten zu zu Rate ziehen, um zu sehen, was sein Unterbewusstsein zu der ganzen Situation meint. Er ist einverstanden. Und siehe da, in den Karten liegt eindeutig ein Vaterthema, welches Auswirkungen auf den Beruf hat, verbunden mit Aggressionen und nervlichen Anspannungen.

Schon während der Deutung des Kartenbildes bekommt er feuchte Augen. Mein einfühlendes Nachfragen bewirkt, dass er zugibt, von seinem Vater immer dann geschlagen worden zu sein, wenn er dessen Anordnungen bezüglich häuslicher Arbeiten nicht detailgetreu nachgekommen ist. Außerdem kritisierte er seinen Sohn immer vor seinen Schulfreunden, was dazu führte, dass er Kumpels nur noch nach Hause kommen lies, wenn er sicher sein konnte, dass sein Vater nicht da war.

Nachdem wir diese ganze Problematik durchgesprochen haben, mache ich Herrn R. den Vorschlag, bei der nächsten Sitzung eine Prozessorientierte Innenweltarbeit (POIA) mit ihm zu machen. Er ist einverstanden. In der Innenwelt kommt dann das ganze Drama des kleinen, gedemütigten und gegängelten Jungen zum Vorschein. In der Realität hat Herr R. seine Kindheit verrationalisiert und auch ein stückweit glorifiziert. Mit entsprechenden Interventionen kann Herr R. sein Verhältnis zum Vater seiner Kindheit positiv verändern. Die ganze Sitzung ist sehr emotional, aber auch sehr heilsam.

Herr R. ist nach dieser Sitzung in der Lage, mit seinem Chef ein vertrauliches Gespräch unter vier Augen zu führen. Er kann ihm nun sachlich sagen, wie es ihm geht, wenn er in der bisherigen Art und Weise behandelt wird. Dem Chef war dies bisher gar nicht wirklich bewusst. Er entschuldigt sich sogar bei Herrn R. und verspricht, dass er sein Verhalten überprüfen wird. Das Erstaunlichste für Herrn R. ist, dass ihn Angelegenehiten, die sein Vorgesetzter nach wie vor in gleicher Weise händelt, gar nicht mehr stören.

Der Einsatz von Lenormandkarten ermöglicht es, das Problem des Klienten in der Tiefe zu verstehen und die Zusammenhänge besser zu durchschauen. Anschließende Inteventionen, wie z.B. die Prozessorientierte Innenweltarbeit sind sehr wirkungsvolle Methoden, den Coachingprozess zu beschleunigen und kurzfristig zu einem befriedigenden Ergebnis zu gelangen.