Das Beratungsunternehmen Gallup teilte nach einer Umfrage im Februar 2011 in Berlin mit, dass in Deutschland jeder 5. Arbeitnehmer innerlich gekündigt habe. Laut der Gallup-Umfrage haben nur 13 Prozent der Mitarbeiter – es wurden 1920 Arbeitnehmer ab 16 Jahren befragt – eine hohe emotionale Bindung und die Bereitschaft, sich für die Unternehmensziele wirklich zu engagieren. Für die Übrigen gilt „Dienst nach Vorschrift“. Diese Zahlen können auch Sylvia Bieber und Joachim Seelmann bestätigen. Die beiden Aschaffenburger MentalCoachs arbeiten vermehrt mit Beschäftigten, deren emotionale Bindung an ihre Firma gleich null ist und die den Sprung in die Kündigung noch nicht wagen. Eigentlich möchten Sie gehen, doch die Angst vor der ungewissen Zukunft lässt sie bleiben, lässt sie verharren und erstarren.

Diese emotionalen Zustände machen sich dann irgendwann auf der köperlichen Ebene bemerkbar. Wer eigentlich gehen möchte, also innerlich eine Vorwärtsbewegung macht, sich aber nicht traut, und dadurch innerlich starr wird, gibt diese Impulse an die Muskeln und Zellen im Körper weiter. Diese reagieren dann wie der Motor eines Autos, wenn gleichzeitig das Gaspedal und die Bremse betätigt werden. Nur dass dies keinem Auto zugemutet wird.

Klienten, die mit dem Wunsch nach Arbeitsplatzwechsel ins Coaching kommen, erleben oft erstmals, dass ihnen Verständnis für ihre Situation entgegengebracht wird. Aus diesem Grund sind sie in der Lage, ihre Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte sich selbst gegenüber einzugestehen. Da ist niemand, der ihnen sagt: „Das kannst Du doch nicht tun, eine Kündigung in der heutigen Wirtschaftslage, ist reiner Selbstmord“, oder „woanders wird auch nur mit Wasser gewaschen“, oder „bleib wo Du bist, da weißt Du was Du hast.“ Im Gegenteil, im Coaching erarbeiten Sie ihre Ziele, schauen sich die Verhinderer an, entdecken ihre Ressourcen, schalten ihre Saboteure aus und visualisieren sich ihre erfolgreiche Zukunft. In geführten Fantasiereisen erleben Wechselwillige Coachees erstmals ein positives Feedback auf ihre imaginäre Kündigung. Sie bewegen sich in einer neuen Firma, hören andere Kollegen sprechen, erhalten interessantere Aufträge und fühlen sich angenommen, integriert und motiviert. Dadurch wächst ihr Selbstbewusstsein und der Mut, Schritte in eine neue Zukunft zu unternehmen.

Nicht für jeden Klienten, der innerlich gekündigt hat, ist ein Wechsel des Arbeitsplatzes der richtige Weg. Für manche Arbeitnehmer ist es wichtiger, am angestammten Arbeitsplatz Veränderungen vorzunehmen, damit wieder Zufriedenheit und Engagement einziehen können. Mit diesem Klientel arbeiten Bieber und Seelmann an den inneren Einstellungen, an negativen Glaubenssätzen und am Selbstwertgefühlt. Nach der Ist-Situationsanalyse wird meist deutlich, wo der Hase im Pfeffer liegt. Manche Klienten können zum Beispiel nur sehr schlecht Nein sagen. Dadurch überlasten sie sich, da sie das Arbeitspensum nicht schaffen und kommen immer mehr unter Druck. Fehler schleichen sich ein. Diese Fehler bewirken, dass sie sich inkompetent fühlen. Dies zieht weitere Fehler nach sich, da die innere Anspannung eine gute Konzentration verhindert. Bei dieser Problematik ist Nein-sagen-lernen durch Rollenspiele ein Mittel der Wahl.

Wer von sich immer denkt: „Ich kann das nicht, andere machen das besser“, hat auch die besten Chancen in seinem Beruf unglücklich zu werden. Die Fragen, die Bieber und Seelmann an diesem Punkt stellen, sind: „Wer sagt oder behauptet das?“, „in welchen Situationen war das schon so, dass andere besser sind?“, „in welchen Bereichen fühlen Sie sich richtig kompetent?“, „was genau können Sie nicht und was können Sie gut?“, „wer würde denn beurteilen, ob es gut genug ist?“ Oft kann allein mit solcherart Fragen die Realität ins rechte Licht gerückt werden. Manchmal sind aber auch systemische Maßnahmen erforderlich um den Klienten von Verstrickungen zu befreien, die ihn an solche Sätze und die dazugehörigen Emotionen binden.

Einige Klienten sind in der richtigen Firma, aber in der falschen Abteilung. Erst im Laufe des Arbeitsalltags stellen manche fest, dass sie zum Beispiel in der Marketingabteilung glücklicher wären als in der Buchhaltung. Doch diesen Beruf haben sie nicht gelernt. Sie trauen sich nicht entsprechende Gespräche zu führen aus Angst, statt einer Versetzung eine Kündigung zu erhalten. In diesem Fall ist es sinnvoll, dass sich der Klient damit vertraut macht, welche Arbeiten im Marketingbereich anfallen. Was davon kann er schon? Welche Weiterbildungen müsste er noch besuchen um eine Chance auf diesen Platz zu erhalten? Ist er bereit, diese Anstrengungen in Form von Zeit und Geld zu leisten? Steht diesem Wunsch jemand oder etwas entgegen? Wer kann ihn in seinem Vorhaben unterstützen?

Es gibt also viele Wege raus aus den inneren Kündigungen. Sich dabei von einem kompetenten Coach helfen zu lassen ist genauso legitim, wie sich von einem Arzt bei einer Grippe helfen zu lassen.