Sie fühlte die Angst und tat es trotzdem. Sylvia hält einen Vortrag vor vielen Menschen.

 

Sie fühlte die Angst – und tat es trotzdem

 

Sie war eine stille Stimme in einer Welt voller lauter Stimmen. Schon als Mädchen spürte sie, dass sie anders fühlte als andere, dass ihre Wahrnehmung tiefer reichte und ihre Intuition intensiver war. Doch je älter sie wurde, desto lauter wurden die Stimmen, die ihr sagten, sie solle sich ruhig verhalten, nicht auffallen, nicht zu viel von sich preisgeben – besonders nicht, wenn es um das ging, was wirklich aus ihrem Inneren kam.

Sie spürte eine Sehnsucht, die sie nur schwer in Worte fassen konnte: den Wunsch, anderen zu helfen, sie zu sehen, zu verstehen, zu begleiten. Sie wusste, sie hatte etwas zu geben – etwas Eigenes, Radikales, Echtes. Tief in ihr brannte dieser Wunsch, und zugleich war da diese Angst. Eine Angst, die sie nachts wach hielt, die ihr sagte, sie sei nicht gut genug, nicht stark genug, nicht sichtbar genug. Sie fürchtete das Urteil der anderen, das Gefühl des Versagens, die Ungewissheit, die davor lag wie ein dichter Nebel.

Viele Jahre lang lebte sie so, zwischen Sehnsucht und Angst. Sie las Bücher über Mut und Berufung, hörte Geschichten von Menschen, die „groß“ geworden waren. Sie spürte, wie ihre Angst wuchs, je mehr sie versuchte, sie zu ignorieren. Dann stieß sie auf einen Satz, der in ihr resonierte: „Fühle die Angst… und tu es trotzdem.“ Dieser Satz war kein lautes „Spring!“, sondern ein leises: „Meistere deine Angst, indem du sie anschaust.“ Es war die Kernbotschaft von Susan Jeffers, der Autorin eines Buches, das millionenfach gelesen wurde und das seit Jahrzehnten Menschen befähigt, trotz Furcht sichtbar zu werden.

Also begann sie zu üben. Sie schrieb ihre ersten Texte, hielt ihre ersten kleinen Seminare, ohne zu wissen, ob jemand kommen würde. Jedes Mal, wenn sie sich sah, wie sie sichtbar wurde, zitterte sie ein bisschen. Und jedes Mal lernte sie etwas über sich selbst: Nicht, dass die Angst verschwand, sondern dass sie wuchs, während sie lebte. Angst war kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, dass sie in unbekanntes, neues Terrain vordrang – dorthin, wo das lebendige Leben stattfindet.

Und je mehr sie sich zeigte, desto mehr merkte sie: Die Angst, die sie einst lähmte, war nicht das, was sie definierte. Sie war lediglich ein Begleiter unterwegs auf dem Weg der eigenen Wahrheit. Mut war nicht das Gegenteil von Angst – Mut war die Entscheidung, trotz der Angst weiterzugehen.

Schließlich wurde sie zu einer Frau, die andere berührt, nicht weil sie keine Angst mehr hatte, sondern weil sie gelernt hatte, ihre Angst als Weggefährten zu sehen, nicht als Richter. Sie verstand, dass ihre Gabe nicht länger im Verborgenen bleiben durfte, weil es nicht nur ihr Geschenk war – sondern ein Geschenk für all jene, die bereit waren, sich selbst zu begegnen.

Und so wuchs sie über sich hinaus, Schritt für Schritt, mutig und verletzlich zugleich – nicht trotz ihrer Angst, sondern mit ihr. Susan Jeffers hat einmal gesagt, dass die Angst nicht verschwindet, wenn wir wachsen, sondern dass sie uns begleitet, während wir mutig handeln. Diese Erkenntnis wurde zu ihrem Kompass; nicht die Abwesenheit von Angst, sondern das Tun trotz der Angst wurde ihr Weg.

(Inspiriert von den Ideen aus Susan Jeffers: Feel the Fear and Do It Anyway, einer Psychologin und Autorin, die Millionen Menschen geholfen hat, Mut zu gewinnen, trotz Angst sichtbar und aktiv zu werden.)

 


 

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