Ein Kind hält eine Kerze in Händen, ein älterer Mann schaut ihr zu

 

Der alte Mann, das Kind und die Kerze

 

Ein alter Mann saß an einem warmen Sommerabend vor seinem Haus. Die Sonne war gerade untergegangen, und langsam legte sich die Dämmerung über den Garten.

Seine Enkelin spielte neben ihm. In ihren Händen hielt sie eine kleine Kerze.

Nach einer Weile fragte sie: „Opa, glaubst Du, dass ein einzelner Mensch wirklich etwas bewirken kann? Die Welt ist doch so groß. Was macht da schon einer allein?“

Der Großvater antwortete nicht sofort. Stattdessen nahm er die Kerze, zündete sie an und stellte sie ein paar Schritte entfernt auf einen Stein. „Schau sie Dir an“, sagte er.

„Sie ist klein“, meinte das Mädchen. „Sie kann doch niemals die ganze Dunkelheit vertreiben.“

Der alte Mann nickte. „Nein. Das muss sie auch gar nicht. Sie schenkt Licht genau dort, wo sie steht. Jeder, der vorbeikommt, sieht den Weg ein Stück klarer.“

Das Mädchen schaute nachdenklich in die kleine Flamme. „Und wenn sie irgendwann ausgeht? Dann ist doch wieder alles dunkel.“

Der Großvater lächelte. „Vielleicht. Vielleicht erinnert sich aber auch jemand an dieses Licht und zündet seine eigene Kerze an. Und dann noch jemand. So entsteht Helligkeit – nicht durch eine einzige große Flamme, sondern durch viele kleine Lichter, die den Mut haben zu brennen.“

Die Enkelin schwieg einen Moment. Dann nahm sie ihre Kerze wieder in die Hand und sagte leise: „Dann möchte ich auch so eine Kerze sein.“

Der Großvater legte den Arm um sie. „Das bist Du längst. Jeder Mensch hinterlässt Spuren. Mit jedem freundlichen Wort, jeder helfenden Hand, jedem offenen Herzen. Oft erfahren wir nie, wie weit unser Licht getragen wird. Aber das macht es nicht weniger wertvoll.“

 

Fazit:

Manchmal glauben wir, unser Leben müsse die ganze Welt verändern. Dabei genügt es oft, das Leben eines einzigen Menschen heller zu machen. Und wer weiß? Vielleicht trägt genau dieser Mensch das Licht eines Tages weiter.

 


 

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