„Balinesisches Paar in traditioneller Kleidung betet mit Opfergaben vor einem Altar“

 

Nyepi auf Bali: Wenn eine ganze Insel für einen Tag stillsteht

 

Vielleicht hast du in den letzten Tagen von dem 26-jährigen Schweizer gelesen, der auf Bali zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde. Er hatte während Nyepi, dem „Tag der Stille“, die Villa verlassen, sich dabei filmen lassen und die Aufnahmen anschließend mit abfälligen Kommentaren über diesen für die Balinesen so wichtigen hinduistischen Feiertag auf Instagram veröffentlicht. Die Mitarbeiter seiner Unterkunft hatten ihn zuvor über die Regeln informiert. Das Gericht wertete sein Verhalten als Beleidigung der religiösen Tradition und verurteilte ihn am 20. August 2026 zu einem Jahr Haft.

Als ich diese Nachricht gelesen habe, musste ich an meine vielen Reisen nach Bali denken. Natürlich ist ein solches Urteil hart, und ich möchte es auch gar nicht bewerten. Was mich an der Geschichte viel mehr beschäftigt, ist die Frage, was wir eigentlich erwarten, wenn wir in ein fremdes Land reisen. Erwarten wir, dass sich dort alles nach unseren Vorstellungen richtet, oder sind wir bereit, uns auf eine andere Kultur einzulassen und ihre Besonderheiten zu respektieren?

Gerade Bali macht diese Frage besonders deutlich. Denn dort begegnet einem Spiritualität nicht nur in Tempeln oder bei besonderen Zeremonien. Sie gehört zum ganz normalen Alltag. Kleine Opfergaben stehen vor Geschäften, Häusern und Restaurants, Menschen beginnen und beenden ihren Tag mit Ritualen, und die vielen Tempelfeste und Zeremonien gehören selbstverständlich zum Leben der Balinesen. Wer zum ersten Mal nach Bali kommt, erlebt deshalb eine Welt, in der Religion, Alltag und Gemeinschaft viel enger miteinander verbunden sind, als wir es aus Deutschland kennen.

 

Balinesische Opferschalen mit brennenden Räucherstäbchen
Balinesische Opferschalen mit brennenden Räucherstäbchen

 

Was bedeutet Nyepi, der Tag der Stille auf Bali?

Nyepi ist der balinesische Neujahrstag und einer der wichtigsten hinduistischen Feiertage auf Bali. Anders als bei unserem Neujahr geht es dabei allerdings nicht um Feuerwerk, Partys und gute Vorsätze bei einem Glas Sekt. Nyepi steht für Stille, Rückzug und innere Einkehr.

24 Stunden lang kommt das öffentliche Leben auf der gesamten Insel nahezu vollständig zur Ruhe. Die Menschen bleiben zu Hause, es gibt keinen normalen Straßenverkehr, keine Veranstaltungen und keinen touristischen Betrieb. Selbst der internationale Flughafen von Bali bleibt geschlossen. Für diese Zeit gelten die sogenannten Catur Brata Penyepian, vier Regeln, die unter anderem auf Ruhe, Verzicht auf Arbeit, Reisen und Unterhaltung ausgerichtet sind.

Ich finde diese Vorstellung jedes Mal aufs Neue faszinierend. Eine Insel, die sonst für ihre quirligen Straßen, den Verkehr, die Musik, die Restaurants und das bunte Leben bekannt ist, wird plötzlich still. Niemand kann einfach mal schnell zum Flughafen fahren, einen Ausflug machen oder sich ins nächste Café setzen. Für 24 Stunden gelten andere Regeln.

Und vielleicht berührt mich genau das so sehr, weil wir in unserem eigenen Leben kaum noch echte Stille kennen. Selbst wenn wir einmal nichts zu tun haben, greifen wir zum Handy, schauen Nachrichten, beantworten E-Mails oder lassen uns von irgendeiner Unterhaltung berieseln. Wir sind ständig erreichbar und ständig mit irgendetwas beschäftigt. Wirklich nach innen zu gehen, fällt vielen Menschen deshalb erstaunlich schwer.

Auf Bali begegnet mir immer wieder diese andere Haltung zum Leben. Sie erinnert mich daran, dass wir Menschen nicht nur aus dem bestehen, was wir leisten, organisieren und erledigen. Es gibt auch die andere Seite in uns, die wahrnehmen, fühlen, staunen und einfach einmal sein möchte.

 

Menschenleere balinesische Tempelanlage in ruhiger Atmosphäre
Menschenleer

 

Wenn eine ganze Insel innehält

Ich habe Nyepi selbst als einen ganz besonderen Ausdruck der balinesischen Kultur erlebt. Schon die Tage davor sind beeindruckend. Überall finden Zeremonien statt, und am Vorabend ziehen die berühmten Ogoh-Ogoh-Figuren durch die Straßen. Diese riesigen, oft furchteinflößenden Figuren stehen symbolisch für negative Kräfte und werden in einer großen Prozession durch die Orte getragen.

Und dann wird es still. Für einen ganzen Tag.

Kein Verkehr, keine Menschenmassen, kein Lärm. Selbst Touristen, die sich zu dieser Zeit auf Bali aufhalten, bleiben in ihren Hotels oder Unterkünften und respektieren die Regeln. Die Insel bekommt dadurch eine Atmosphäre, die man als Reisender wahrscheinlich nur schwer mit Worten beschreiben kann, wenn man sie nicht selbst erlebt hat.

Vielleicht ist es gerade dieser radikale Kontrast, der Nyepi so eindrucksvoll macht. Erst das bunte, laute, lebendige Treiben und dann diese völlige Ruhe.

Ich frage mich manchmal, was passieren würde, wenn wir uns so etwas auch für unser eigenes Leben erlauben würden. Natürlich können wir nicht einfach den gesamten Alltag für 24 Stunden abschalten. Aber wie viel könnte sich verändern, wenn wir uns regelmäßig Zeiten schaffen würden, in denen wir wirklich nicht funktionieren müssen?

 

Bali hat mich immer wieder berührt

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich seit so vielen Jahren immer wieder nach Bali reise und inzwischen zum 16. Mal eine Gruppe dorthin begleite. Natürlich liebe ich die Landschaft, das warme Klima, das Meer, die Reisfelder und die unglaubliche Schönheit dieser Insel. Ich genieße das Essen, die Begegnungen und die Lebensfreude der Menschen. Doch Bali hat für mich noch eine andere Qualität, die sich schwer in ein paar touristische Sehenswürdigkeiten packen lässt.

Wenn ich dort unterwegs bin, habe ich immer wieder das Gefühl, dass die Balinesen eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Spirituellen besitzen, die wir hier vielfach verloren haben. Das bedeutet keineswegs, dass dort jeder Mensch ständig tiefenentspannt und erleuchtet durch die Gegend läuft. Bali ist genauso eine moderne, geschäftige und touristisch geprägte Insel wie viele andere Orte auch. Gerade deshalb finde ich es so spannend, dass die alten Traditionen trotzdem einen so festen Platz im Alltag behalten haben.

Für mich liegt darin auch eine große Chance für uns als Reisende. Wir können ein fremdes Land anschauen und fotografieren. Wir können aber auch versuchen, ein wenig zu verstehen, was die Menschen dort bewegt und warum bestimmte Dinge für sie so wichtig sind. Wenn wir uns darauf einlassen, verändert sich auch unsere eigene Wahrnehmung.

 

Betende Balinesen in traditioneller Kleidung mitten im Straßenbild von Ubud
Balinesen in Ubud beim Beten

 

 

Wenn eine Reise nach innen führt

Genau aus diesem Grund verbinde ich meine Reisen nach Bali mit intensiver Persönlichkeitsarbeit. Meine Seelen-Heil-Reise nach Bali ist für mich keine klassische Gruppenreise, bei der wir möglichst viele Sehenswürdigkeiten abhaken und anschließend wieder nach Hause fliegen.

Natürlich werden wir Bali erleben und genießen. Wir werden unterwegs sein, die Schönheit der Insel kennenlernen, gemeinsam essen, lachen und miteinander eine intensive Zeit verbringen. Gleichzeitig gibt es immer wieder Zeiten, in denen wir uns bewusst aus dem äußeren Geschehen zurückziehen und uns mit uns selbst beschäftigen.

Denn manchmal braucht es tatsächlich ein wenig Abstand vom eigenen Alltag, damit wir wieder erkennen, was in unserem Leben gerade wirklich wichtig ist. Wenn wir einmal nicht jeden Tag dieselben Menschen sehen, dieselben Aufgaben erledigen und in den gewohnten Rollen funktionieren, verändert sich häufig auch unser Blick auf uns selbst.

Plötzlich wird deutlicher, was uns schon länger beschäftigt. Vielleicht gibt es eine Entscheidung, die wir vor uns herschieben. Vielleicht spüren wir eine Sehnsucht, für die im Alltag bisher kaum Raum war. Vielleicht merken wir, dass wir an einer Stelle unseres Lebens etwas verändern möchten. Und manchmal entdecken wir auch einfach wieder eine Seite von uns, die im täglichen Funktionieren zu kurz gekommen ist.

Das ist für mich der eigentliche Wert einer solchen Reise. Wir verlassen für eine Weile unser gewohntes Umfeld und geben uns selbst die Gelegenheit, wieder genauer hinzuhören.

 

Seminarteilnehmer in traditionellen Sarongs vor einem balinesischen Tempel
Meine Seminargruppe ist für den Tempelbesuch gekleidet

 

Eine andere Kultur kann uns etwas über uns selbst zeigen

Ich glaube, dass Reisen immer auch eine Form von Bewusstseinsentwicklung sein kann, wenn wir bereit sind, uns wirklich auf das Land einzulassen. Dabei muss ich fremde Traditionen weder romantisieren noch alles gutheißen. Ich darf Unterschiede wahrnehmen und trotzdem respektvoll damit umgehen.

Vielleicht ist das sogar eine der schönsten Erfahrungen, die wir auf Reisen machen können: Wir entdecken, dass unsere eigene Art zu leben nur eine von vielen Möglichkeiten ist. Plötzlich erscheint manches, was uns zu Hause selbstverständlich vorkommt, in einem anderen Licht.

Bali hat mir persönlich immer wieder solche Perspektivwechsel geschenkt. Die Insel hat mich daran erinnert, langsamer zu werden, genauer hinzuschauen und auch Dinge stehen lassen zu können, die ich nicht sofort verstehen muss.

Und vielleicht liegt darin auch eine kleine Lehre aus der Geschichte des jungen Schweizers. Wenn wir in ein anderes Land reisen, nehmen wir unsere eigenen Gewohnheiten und Vorstellungen mit. Wir dürfen sie auch behalten. Gleichzeitig sind wir dort Gäste. Respekt bedeutet für mich, mich über die Menschen und ihre Kultur zu informieren und ihre Regeln ernst zu nehmen, auch wenn ich manches davon nicht aus meinem eigenen Leben kenne.

Gerade diese Offenheit macht eine Reise für mich wertvoll.

 

Menschen in traditioneller Kleidung und farbenfrohe balinesische Tempeltänzer auf einer Treppe
Tempeltänzer mischen sich unter Tempelbesucher

 

Meine Seelen-Heil-Reise nach Bali im November

Im November werde ich wieder mit einer kleinen Gruppe nach Bali reisen. Wir werden gemeinsam eine intensive Zeit erleben, in der Urlaub, Begegnung, Entspannung und persönliche Entwicklung miteinander verbunden sind.

Ich möchte dir Bali nicht als einen Ort verkaufen, an dem nach zwei Wochen plötzlich alle Probleme verschwunden sind. Das wäre nicht meine Art und würde auch dem, was ich unter Bewusstseinsentwicklung verstehe, nicht gerecht werden.

Ich möchte dir vielmehr einen Raum anbieten, in dem du Abstand von deinem Alltag gewinnen, neue Erfahrungen machen und dich selbst aus einer anderen Perspektive erleben kannst. Bali bietet dafür eine ganz besondere Kulisse, aber am Ende geht es auf dieser Reise immer auch um dich.

Vielleicht kommst du mit einer Frage nach Bali und fährst mit einer Antwort wieder nach Hause. Vielleicht entdeckst du etwas ganz anderes, mit dem du gar nicht gerechnet hast. Vielleicht brauchst du auch einfach einmal diese Zeit, in der du dich um nichts kümmern musst und Raum für dich selbst hast.

Was auch immer du mitnimmst: Ich wünsche mir, dass du nach dieser Reise nicht nur viele schöne Erinnerungen an Bali hast, sondern auch etwas, das dich in deinem Leben zu Hause weiter begleitet.

Denn eine wirklich gute Reise endet für mich nicht an dem Tag, an dem wir wieder ins Flugzeug steigen. Manches, was wir unterwegs erfahren, beginnt erst danach seine Wirkung zu entfalten.

Meine nächste Seelen-Heil-Reise nach Bali findet im November statt. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, findest du hier alle Informationen zur Reise.

Vielleicht ist jetzt einfach die richtige Zeit, einmal etwas weiter zu reisen – und dabei ein Stück näher zu dir selbst zu kommen.

… aus Liebe zu dir selbst.

 

 

 


 

Über die Autorin: Sylvia Bieber

Meine Mission ist deine Selbstkompetenz!

Ich liebe es, wenn Klienten nach einem Coaching mit Sätzen wie: „Ich kann das“, „ich mach das“, „ich traue es mir zu“, meine Praxis verlassen und sich selbstbestimmt und unabhängig fühlen.

Gerne helfe ich auch dir, solltest du dich frustriert, machtlos oder angstvoll fühlen. Ich zeige dir, wie du das ändern kannst – und deine Lebensfreude kehrt zurück.

 
 

 

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