
Was einen guten Coach wirklich ausmacht
Eine Ausbildung kann Dir Methoden vermitteln. Aber sie kann Dir nicht abnehmen, wer Du als Mensch bist.
Als ich 1993 begann, Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten, hätte ich wahrscheinlich noch ganz anders auf die Frage geantwortet, was einen guten Coach ausmacht.
Heute, nach mehr als 30 Jahren eigener Coachingarbeit und seit 2001 in der Ausbildung von Coaches, sehe ich vieles klarer.
Ein guter Coach braucht natürlich Handwerkszeug. Er muss wissen, wie ein gutes Gespräch funktioniert, wie er Fragen stellt, wie er Prozesse begleitet und wie er Menschen dabei unterstützt, eigene Lösungen zu finden.
Aber das allein reicht nicht. Denn Menschen sind keine Probleme, die wir lösen können. Und Coaching ist kein Reparaturbetrieb.
Inhalt: Das liest du in diesem Artikel
♠ Du bist nicht falsch. Du bist oft weiter, als du denkst
♠ Coaching bedeutet für mich, Menschen auf ihrem eigenen Weg zu begleiten
♠ Methoden sind wichtig, aber sie sind nicht das Entscheidende
♠ Ein guter Coach braucht mehr als einen gut gefüllten Methodenkoffer
♠ Ein Coach bringt immer auch sich selbst mit
♠ Menschen brauchen keine perfekten Coaches
♠ Bewusstheit verändert mehr, als jeder gute Ratschlag
♠ Deshalb darf eine Coachingausbildung mehr sein als Methodentraining
Du bist nicht falsch. Du bist oft weiter, als Du denkst.
Das ist einer der Gedanken, die meine Arbeit seit vielen Jahren begleiten. Menschen kommen zu mir, weil sie an einem Punkt in ihrem Leben nicht weiterwissen. Sie stecken in einer Beziehung fest, fühlen sich beruflich unzufrieden, treffen immer wieder auf dieselben Muster oder spüren einfach: So wie bisher soll es nicht mehr weitergehen.
Manchmal wissen sie sogar ziemlich genau, was sie verändern möchten, und tun es trotzdem nicht. Denn das, was uns im Leben zurückhält, sitzt nicht immer dort, wo wir es auf den ersten Blick vermuten.
Wir haben mit dem Kopf längst verstanden, dass wir uns von etwas lösen sollten, und trotzdem hält uns etwas fest. Wir wissen häufig, dass wir Grenzen setzen müssten, und sagen trotzdem wieder Ja. Wir können uns nach Veränderung sehnen und gleichzeitig alles dafür tun, dass sich nichts verändert.
Genau hier beginnt für mich echte Coachingarbeit. Sie beginnt für mich bei der Bewusstheit: Was passiert da eigentlich gerade in mir? Was hält mich fest? Was möchte ich vielleicht längst verändern und was steht mir dabei im Weg?

Coaching bedeutet für mich, Menschen auf ihrem eigenen Weg zu begleiten
Ich glaube nicht, dass ein Coach für seine Klienten wissen muss, was richtig ist. Je länger ich Menschen begleite, desto vorsichtiger werde ich mit schnellen Antworten. Denn wer bin ich, um zu wissen, was für einen anderen Menschen richtig ist?
Ein Coach kann Fragen stellen, einen anderen Blickwinkel anbieten und Zusammenhänge sichtbar machen. Er kann einen geschützten Raum schaffen, in dem auch das angeschaut werden darf, was bisher lieber im Dunkeln geblieben ist. Die Entscheidung darüber, was ein Mensch mit diesen Erkenntnissen macht, bleibt jedoch bei ihm.
Das klingt vielleicht selbstverständlich. In der Praxis ist es eine echte Herausforderung. Denn manchmal sehen wir als Coach etwas sehr deutlich. Wir erkennen ein Muster, ahnen, woher ein Verhalten kommt, oder sehen eine Veränderung, die hilfreich sein könnte. Gleichzeitig müssen wir aushalten, dass unser Gegenüber seinen eigenen Weg geht.
Meine Aufgabe als Coach sehe ich deshalb darin, einen Menschen dabei zu unterstützen, seinen eigenen Weg klarer zu erkennen und immer mehr darauf zu vertrauen, dass er selbst spüren kann, was für ihn richtig ist.
Dafür braucht es als Coach die innere Sicherheit, eine eigene Wahrnehmung zu haben und sie gleichzeitig wieder loslassen zu können. Ich darf etwas sehen, ansprechen und als Impuls zur Verfügung stellen. Ich muss damit aber nicht recht haben und vor allem muss ich nicht dafür sorgen, dass der andere meiner Sichtweise folgt.
Für mich gehört deshalb zu guter Coachingarbeit die Fähigkeit, etwas klar wahrzunehmen und ehrlich anzusprechen, ohne dem anderen damit seine eigene Entscheidung abzunehmen.
Methoden sind wichtig, aber sie sind nicht das Entscheidende.
Natürlich braucht ein Coach Methoden. Auch ich arbeite mit verschiedenen Zugängen, weil Menschen unterschiedlich sind und nicht jeder Mensch über denselben Weg Zugang zu sich selbst findet.
Die wertschätzende Gesprächsführung nach Carl Rogers gehört für mich zu den grundlegenden Säulen meiner Arbeit. Wirklich zuzuhören, ohne sofort zu bewerten, den anderen ernst zu nehmen und offen dafür zu bleiben, was sich im Gespräch entwickelt, halte ich für eine wesentliche Grundlage guter Coachingarbeit.
Dazu kommt die prozessorientierte Innenweltarbeit (POIA), mit der innere Bilder, Gefühle und bislang wenig bewusste Zusammenhänge sichtbar werden können.
Auch systemische Arbeit, zum Beispiel Familienstellen, kann einen völlig neuen Blick auf ein persönliches Thema ermöglichen. Manchmal tragen wir Dynamiken, Loyalitäten oder Rollen mit uns herum, die uns gar nicht bewusst sind.
Mit der Psychosomatischen Energetik (PSE) kommt ein weiterer Zugang hinzu, der Körper und innere Prozesse miteinander in Beziehung setzt. Dabei können sich Hinweise auf energetische und emotionale Belastungen zeigen, die für den Menschen bisher nicht greifbar waren. Für mich ist auch dieser Ansatz eine Möglichkeit, genauer hinzuschauen und Zusammenhänge zu entdecken, die sich allein über das Gespräch vielleicht nicht zeigen würden.
Symbole wiederum können Türen öffnen, die über den reinen Verstand schwer erreichbar sind. Und auch die Lenormandkarten haben in meiner Arbeit ihren Platz gefunden. Für mich sind sie ein wunderbares Werkzeug, um das sichtbar zu machen, was in einem Menschen bereits arbeitet. Ein Bild, ein Symbol oder eine Kartenkombination kann plötzlich etwas ins Bewusstsein holen, für das bisher die Worte gefehlt haben. Die Karten nehmen niemandem eine Entscheidung ab. Sie helfen dabei, klarer zu sehen, zu fühlen und zu erkennen, worum es wirklich geht.
Und manchmal kommt dann dieser wunderbare Moment, in dem ein Mensch innehält und sagt: „Jetzt verstehe ich, worum es eigentlich geht.“
Genau dieser Moment interessiert mich. Denn letztlich geht es bei all diesen Methoden immer um dasselbe: Sie eröffnen einen Zugang. Was daraus entsteht, ist die persönliche Erkenntnis des Menschen, den ich begleite.

Ein guter Coach braucht mehr als einen gut gefüllten Methodenkoffer
Ich habe im Laufe der Jahre viele Menschen erlebt, die unglaublich viel Wissen hatten. Sie kannten Methoden, hatten Seminare besucht und konnten beeindruckende Fachbegriffe verwenden.
Und trotzdem fehlte manchmal etwas Entscheidendes. Manchmal war es die Fähigkeit, wirklich zuzuhören. Oft fehlte die Geduld. Häufig wollte der Coach unbedingt helfen und nahm seinem Gegenüber dadurch unbewusst die Verantwortung ab. Und so manches Mal lag die Schwierigkeit ganz woanders: Der Coach hatte seine eigenen Themen noch nicht ausreichend angeschaut.
Das ist kein Vorwurf. Wir alle haben unsere blinden Flecken. Wer andere Menschen begleiten möchte, sollte deshalb bereit sein, sich selbst immer wieder zu hinterfragen. Welche Themen bringe ich mit? Wo reagiere ich vielleicht aus meiner eigenen Geschichte heraus? Und wo vermische ich meine Sichtweise mit dem, was für den anderen wirklich stimmt?
Wir können beim anderen nur schwer etwas offen stehen lassen, wenn wir es bei uns selbst nicht aushalten. Es ist schwierig, die Angst eines anderen Menschen einfach da sein zu lassen, wenn wir unsere eigene Angst unbedingt wegmachen wollen. Auch mit der Wut eines anderen können wir nur schlecht umgehen, wenn wir unsere eigene Wut verurteilen.
Und wir erlauben einem Menschen nur ungern, seinen eigenen Weg zu gehen, wenn wir selbst ständig glauben, für andere wissen zu müssen, was richtig ist.
Ein Coach bringt immer auch sich selbst mit
Deshalb geht es in einer guten Coachingausbildung für mich nicht nur darum, möglichst viele Methoden kennenzulernen. Die eigene Persönlichkeitsentwicklung gehört für mich ganz selbstverständlich dazu. Wer andere Menschen begleitet, sollte bereit sein, auch bei sich selbst immer wieder hinzuschauen und die eigenen Muster kennenzulernen.
Dazu gehört auch die Frage: Wer bin ich, wenn ich einem anderen Menschen wirklich begegne?
Denn am Ende sitzt nicht die Methode dem Klienten gegenüber. Da sitzt ein Mensch mit seiner eigenen Geschichte, seinen Erfahrungen, seinen Überzeugungen und seinen blinden Flecken. Das eigene Sein wirkt immer mit.

Menschen brauchen keine perfekten Coaches
Das möchte ich besonders denen sagen, die darüber nachdenken, andere Menschen professionell zu begleiten: Du musst dafür kein perfekter Mensch sein. Du musst auch nicht auf jede Frage eine Antwort haben oder Dein eigenes Leben vollständig „im Griff“ haben. Ich glaube ohnehin nicht daran, dass wir irgendwann an einem Punkt ankommen, an dem uns keine eigenen Themen mehr beschäftigen oder triggern.
Entscheidend ist für mich etwas anderes: die Bereitschaft, sich selbst immer wieder ehrlich anzuschauen und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Dazu gehört auch die Neugier auf den Menschen, der mir gegenübersitzt. Was bewegt ihn wirklich? Was steckt hinter dem, was er erzählt? Und was braucht es gerade, damit er selbst einen Schritt weiterkommt?
Dabei hilft mir eine Haltung, die ich für die Grundlage einer jeder guten Coachingbeziehung halte: Der Mensch, der mir gegenübersitzt, ist der Experte für sein eigenes Leben.
Ich kann ihn begleiten, Fragen stellen, Zusammenhänge sichtbar machen und ihm helfen, genauer hinzuschauen. Ich kann ihm meine Wahrnehmung zur Verfügung stellen und manchmal auch einen Impuls geben, auf den er allein vielleicht nicht gekommen wäre. Aber sein Leben bleibt seins. Seine Entscheidungen, sein Tempo und sein Weg gehören ihm.
Genau diese Verantwortung darf ich ihm auch lassen.
Bewusstheit verändert mehr als jeder gute Ratschlag
Vielleicht beschreibt das am besten, was ich unter BewusstSEIN-Coaching verstehe. Mich interessiert, was hinter einem Problem liegt und was ein Mensch über sich selbst erkennen kann, wenn er bereit ist, genauer hinzuschauen.
Oft begegnen uns dabei Muster, die sich schon seit Jahren wiederholen. Wir reagieren in bestimmten Situationen immer wieder auf dieselbe Weise, halten uns selbst zurück oder treffen Entscheidungen, obwohl ein Teil von uns längst spürt, dass sie uns nicht guttun.
Wenn solche Zusammenhänge ins Bewusstsein kommen, entsteht häufig eine neue Klarheit. Plötzlich wird verständlich, warum eine bestimmte Situation immer wieder auftaucht, weshalb wir an etwas festhalten oder warum wir uns mit einer Entscheidung so schwergetan haben. Manchmal zeigt sich dabei auch, dass die Antwort auf eine Frage längst in uns vorhanden war und lediglich etwas gebraucht hat, das sie sichtbar werden lässt.
Vielleicht beginnt genau dort das, was ich seit so vielen Jahren unter BewusstSEIN verstehe: Licht ins Dunkel zu bringen und den Mut zu haben, auch dorthin zu schauen, wo wir bisher lieber weggesehen haben. Wenn wir verstehen, was hinter unserem Verhalten, unseren Ängsten oder unseren immer wiederkehrenden Mustern steckt, können wir bewusster damit umgehen und irgendwann auch etwas verändern.
Dabei erlebe ich immer wieder, dass Menschen sehr viel verständnisvoller mit sich selbst werden, wenn sie ihre eigenen Zusammenhänge erkennen. Was sie jahrelang als Schwäche, Versagen oder falsche Entscheidung bewertet haben, bekommt plötzlich eine andere Bedeutung. Sie verstehen, warum sie damals so gehandelt haben und erkennen vielleicht, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bereit waren, etwas Bestimmtes zu sehen.
In solchen Momenten verändert sich auch die Rolle des Coaches. Er muss keine Lösung liefern. Er darf den Raum halten, Fragen stellen und dabei unterstützen, die eigenen Erkenntnisse ernst zu nehmen. Denn wenn Du selbst erkennst, was hinter Deinem Verhalten steckt und was Du wirklich möchtest, entsteht daraus eine ganz andere Grundlage für Deine Entscheidungen.
Du siehst klarer, was zu Dir gehört und wohin Du gehen möchtest. Und genau daraus kann Veränderung entstehen.

Deshalb darf eine Coachingausbildung mehr sein als Methodentraining
Wenn ich heute Menschen zu BewusstSEIN-Coaches ausbilde, möchte ich ihnen verschiedene Zugänge zeigen, mit denen sie Menschen professionell und verantwortungsvoll begleiten können. Gleichzeitig möchte ich ihnen Raum geben, selbst zu wachsen und die eigene Persönlichkeit in diesen Prozess einzubeziehen.
Denn Coaching ist für mich kein Beruf, bei dem man irgendwann sagen kann: „Jetzt kann ich es.“ Menschen sind unterschiedlich, Lebenssituationen verändern sich und auch wir selbst entwickeln uns weiter.
Eine gute Ausbildung legt deshalb für mich ein Fundament für die Arbeit mit anderen und verändert gleichzeitig den Blick auf das eigene Leben. Vielleicht ist genau das eine der schönsten Seiten dieses Berufes: Du begleitest andere Menschen auf ihrem Weg und begegnest dabei immer wieder Dir selbst.
Genau diese Vielfalt an Zugängen ist auch ein wichtiger Bestandteil meiner Ausbildung zum BewusstSEIN-Coach. Dabei geht es mir seit vielen Jahren darum, Menschen einen gut gefüllten Werkzeugkoffer mitzugeben und gleichzeitig die Haltung zu entwickeln, mit der sie diese Werkzeuge verantwortungsvoll einsetzen können.
Eine Methode allein macht noch keinen guten Coach. Entscheidend ist, zu spüren, wann welcher Zugang hilfreich sein kann, wann es sinnvoll ist, eine Frage einfach stehen zu lassen und wann ein Impuls den nächsten Schritt ermöglichen kann. Dafür braucht es Erfahrung, Einfühlungsvermögen und vor allem die Bereitschaft, den Menschen wirklich zu sehen, der einem gegenübersitzt.
Wer andere Menschen begleiten möchte, entwickelt sich dabei immer auch selbst weiter. Je bewusster wir mit unseren eigenen Themen, Grenzen und Erfahrungen umgehen, desto freier werden wir in der Begegnung mit anderen.
Das ist etwas, das sich nicht allein aus Büchern oder Seminaren mitnehmen lässt. Es entsteht im eigenen Erleben, im Ausprobieren, im Reflektieren und im gemeinsamen Austausch. Genau dafür braucht eine gute Ausbildung Zeit und einen geschützten Rahmen.
… aus Liebe zu Dir selbst.

Über die Autorin: Sylvia Bieber
Meine Mission ist deine Selbstkompetenz!
Ich liebe es, wenn Klienten nach einem Coaching mit Sätzen wie: „Ich kann das“, „ich mach das“, „ich traue es mir zu“, meine Praxis verlassen und sich selbstbestimmt und unabhängig fühlen.
Gerne helfe ich auch dir, solltest du dich frustriert, machtlos oder angstvoll fühlen. Ich zeige dir, wie du das ändern kannst – und deine Lebensfreude kehrt zurück.
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