Tiefer Brunnen mit ruhigem Wasser

 

Wenn die Seele den Körper sprechen lässt

 

Ein Mann kam zu einem alten weisen Heiler und klagte: „Mein Rücken schmerzt. Ich schlafe schlecht. Mein Magen spielt verrückt. Und ständig bin ich erschöpft. Kannst Du mich heilen?“

Der Alte sah ihn lange an und fragte ruhig: „Wann hast Du das letzte Mal etwas getan, das Deiner Seele Freude macht?“

Der Mann runzelte die Stirn. „Was hat das denn mit meinen Beschwerden zu tun?“

Der Heiler lächelte „Alles.“

Dann führte er ihn zu einem Brunnen. Das Wasser war klar und still.

„Schau hinein“, sagte der Alte.

Der Mann blickte ins Wasser und sah sein Spiegelbild.

„Was siehst Du?“

„Mich.“

Der Alte nickte. „Und jetzt wirf einen Stein hinein.“

Der Mann tat es. Sofort entstanden Wellen. Das Bild verzerrte sich.

„Kannst Du Dich jetzt noch klar erkennen?“

„Nein.“

„Genau das geschieht“, sagte der Heiler, „wenn ein Mensch dauerhaft gegen sich selbst lebt. Wenn er Gefühle hinunterschluckt. Sich ständig anpasst. Funktioniert. Durchhält. Stark sein will. Irgendwann wird das Wasser unruhig. Und der Körper beginnt zu sprechen.“

Der Mann schwieg.

Nach einer Weile fragte er leise: „Und wie wird das Wasser wieder klar?“

Der Alte lächelte sanft. „Nicht indem Du gegen die Wellen kämpfst. Sondern indem Du aufhörst, ständig neue Steine hineinzuwarfen.“

 


 

Willst Du regelmäßig neue Geschichten und Metaphern lesen, dann tragen Dich in meine „Liebesperle“ (= Newsletter) ein. 2 x monatlich erhältst Du solch aufbauende Texte neben anderen sinnreichen Inhalten.