„Was riecht besser?“ Die Frau am Regal hat zwei von diesen langen, weißen Papierstreifen in der Hand. Wir stehen in einem Drogeriemarkt in der Parfüm-Abteilung. Ich bin selbst gerade dabei, mich durch das Sortiment zu riechen, weil ich meiner Frau ein Deo kaufen soll. Da sehe ich, dass es der Frau neben mir auch nicht besser geht. Sie hat auf jeden dieser Probierstreifen ein Parfüm gesprüht. Sie riecht abwechselnd dran. Dann hält sie den einen Streifen ihrer Tochter hin. Ich schätze, dass das Mädchen ungefähr zehn Jahre alt ist.
 
Die Mutter fragt: „Was riecht besser? Der?“ Dann nimmt sie den ersten Steifen weg und hält ihrer Tochter den anderen an die Nase: „Oder der?“ Die Tochter lässt sich Zeit. Die Mutter sagt:„Das ist der teure Duft“, sie hält den ersten Streifen hoch, „und das ist der billige Duft.“ Die Tochter ist sich mittlerweile ganz sicher. Sie deutet auf den zweiten Steifen: „Das riecht besser“, sagt sie.
 
Die Mutter runzelt die Stirn. „Der billige Duft“, fragt sie zweifelnd, „den habe ich doch schon die ganze Zeit.“ Und die Tochter sagt: „Ja, der riecht besser. Der riecht wie du.“
 
Die Mutter und ich sehen uns an. Ich glaube, wir denken das Gleiche. Es ist völlig egal, wieviel ein Duft kostet. Der Duft riecht gut, weil Mama so riecht. Es ist eigentlich nicht der Duft. Es ist die Liebe, die die Tochter empfindet. Kein Parfüm riecht so gut wie die Liebe. Kein Duft ist so anziehend wie die Liebe.
 
(@ Dr. Paul Metzger, Ev. Kirche – SWR1 RP)