Parkähnlicher Garten mit blühenden Blumenbeeten, alten Bäumen und einem Haus im Hintergrund, eine ruhige, gepflegte Naturanlage mit harmonischer Atmosphäre.

 

Der Gärtner und der Sommer

 

Es war einer der heißesten Sommer seit Menschengedenken. Die Erde war rissig geworden. Die Blätter der Bäume hingen kraftlos herab, und selbst die Vögel schwiegen in der Mittagshitze.

Ein junger Mann besuchte einen alten Gärtner, der für seine prächtigen Gärten bekannt war.

Als er das Grundstück betrat, staunte er. Zwischen vertrockneten Feldern blühten dort Blumen in allen Farben. Obstbäume trugen schwere Früchte, und in den Beeten wuchsen kräftige Kräuter.

„Wie ist das möglich?“, fragte er erstaunt. „Hast Du ein besonderes Geheimnis?“

Der alte Gärtner lächelte. „Nein.“

„Vielleicht gießt Du mehr als die anderen?“

Der Alte schüttelte den Kopf.

„Dann musst Du widerstandsfähigere Pflanzen haben.“

Wieder schüttelte der Gärtner den Kopf. Er führte den jungen Mann langsam durch den Garten. Vor einem Beet blieb er stehen.

„Siehst Du diese Pflanzen? Im Frühjahr standen sie dort drüben. Als die Sonne ihren Lauf änderte, bekamen sie zu viel Hitze. Also habe ich sie umgesetzt.“

Ein paar Schritte weiter zeigte er auf einen Feigenbaum. „Früher wuchs er mitten im Garten. Doch dort trocknete der Boden zu schnell aus. Also habe ich ihn an die Mauer gepflanzt. Dort spendet sie ihm am Nachmittag Schatten.“

Schließlich blieben sie an einem kleinen Teich stehen. Das Wasser bewegte sich kaum.

„Und dieser Teich?“, fragte der junge Mann.

„Den gab es früher nicht“, antwortete der Alte. „Er entstand, weil ich aufhörte, den trockenen Boden zu beklagen, und begann, mit dem Wasser zu arbeiten, das mir zur Verfügung stand.“

Der junge Mann dachte lange nach. „Dann liegt Dein Geheimnis gar nicht in den Pflanzen.“

Der Gärtner nickte. „Nein. Mein Geheimnis ist, dass ich mich nicht daran klammere, wie mein Garten gestern war. Jeden Morgen frage ich ihn neu, was er heute braucht.“

Der junge Mann blickte über den Garten. Jetzt verstand er, warum alles so lebendig wirkte. Weil der Gärtner bereit gewesen war, sich mit ihm zu verändern.

(einer taoistischen Weisheitsgeschichte nachempfunden)

 


 

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