Es war einmal ein Mann, der hatte zwei Wasserkrüge. Die beiden Krüge befestigte er an den beiden Enden einer langen Stange, die er sich über die Schulter legte, wenn er Morgen für Morgen zum Fluss ging, um Wasser zu holen.

Der eine Krug war völlig heil, während der andere einen tiefen Riss hatte, was dazu führte, dass der Krug nur noch halb voll war, bis der Mann vom Fluss nach Hause gekommen war.

Eines Tages, als der Mann die Krüge am Fluss füllte, konnte der gesprungene Wasserkrug nicht mehr länger still sein.

„Ich schäme mich so schrecklich“, weinte der Krug. „Ich mache einen schlechten Job. Aufgrund meines Sprunges bekommst du nur halb so viel Wasser, wie du eigentlich solltest. Ich fühle mich so misslungen.“

„Ich wusste nicht, dass du dich so schlecht fühlst“, antwortete der Mann bekümmert. „Aber tu mir einen Gefallen: Schau auf dem Weg zurück nach Hause ganz genau auf den Weg.“

Als sie nach Hause zurückgekommen waren, fragte der Mann:

„Hast du die schönen Blumen am Wegrand bemerkt?“

„Ja“, seufzte der Krug.

„Hast du auch bemerkt, dass sie nur auf deiner Straßenseite wachsen? Weißt du, ich habe immer gewusst, dass du einen Sprung hast. Darum habe ich Blumen am Wegesrand gepflanzt, die du jeden Tag begossen hast. Wenn du nicht so wärst, wie du bist, hätte ich nicht jeden Tag Blumen pflücken können, um sie zu Hause auf den Tisch zu stellen. Ohne deinen Sprung hätten sich weder der Wegesrand noch das Haus an dieser Blumenpracht erfreuen können!“

(Aus: „Ich habe nach dir gewonnen“ von Kristina Reftel)